20 Jahre Bangladeschkreis

Der Bangladeschkreis der katholischen Kirchengemeinde Neuenbürg Birkenfeld Straubenhardt Engelsbrand feierte am vergangenen Sonntag sein 20-jähriges Bestehen. Zusammen mit der Hilfsorganisation NETZ Bangladesch e.V. hat der Kreis vielen extrem Armen in Bangladesch zu einem Leben in Würde und zu Bildung verholfen.

Das Fest begann mit einem Erntedankgottesdienst, gestaltet vom Bangladeschkreis und dem Kindergarten St. Klara. In seiner Predigt machte Pfarrer Phan deutlich, dass wir allen Grund haben zu danken und in der Konsequenz aber auch die Pflicht, Schwachen zu helfen.Er dankte dem Bangladeschkreis, der durch seine langjährige, nachhaltige Arbeit nicht nur den Armen in Bangladesch geholfen habe, sondern in vielfältiger Weise auch das Gemeindeleben bereicherte.

Schon beim feierlichen Einzug der Kinder mit Erntekörbchen, gefolgt von 3 Frauen in Saris und den Ministranten mit Pfarrer Phansahen die Besucher,dass ein besonderer Tag war. Die Kinder trugen  2 Lieder vor, die bereits ausdrückten, dass zum Danken auch das Teilen gehört. Für sie setze sich der Gottesdienst im Franziskushaus mit ihren Erzieherinnen fort.


Nach dem Gottesdienst konnte der Bangladeschkreis, mit seinem Vorsitzenden Herrn Hans-Ulrich Böhm, zahlreiche Besucher, darunter Herrn Bürgermeister Martin Steiner, im Franziskushaus recht herzlich begrüßen. Er konnte ihn zu einem Rundgang durchs Franziskushaus bewegen, wo er ihm an Hand ausgestellter Plakate und Fotos die verschiedenen Projekte aus den 20 Jahren erläuterte. Frau Bach, die 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderates, erinnerte an die vielen Aktivitäten des Bangladeschkreises für die Gemeinde. So sorge der Kreis mit vielen Helferinnen und Helfern regelmäßig für Palmsträuße an Palmsonntag, für den Kaffee- und Kucheverkauf an Fronleichnam und für Adventskränze. Auf dem Adventsmarkt in Neuenbürg werden regelmäßig Weihnachtsgebäck, selbstgemachte Brotaufstriche und vieles mehr zu Gunsten von Bangladesch verkauft. Die Sternsingeraktion wird maßgeblich vom Bankladeschreis getragen. Auch Peter Dietzel, Geschäftsführer von NETZ begrüßte de Versammelten und dankte dem Bangladeschkreis für die lange und segensreiche Zusammenarbeit.
Regen Zuspruch fand anschließend eine Ausstellung über die unterstützten Hilfsprojekte und Aktivitäten in der Gemeinde.
Nach dem gemeinsamen Tischgebet wurde zu einer herrlich duftenden Kartoffelsuppe eingeladen.
Nach der Stärkung dankte  Peter Dietzel (Geschäftsführer von NETZ) dem Bangladeschkreis, seinen vielen freiwilligen Helfern und nicht zuletzt den Spendern für die lange und segensreiche Zusammenarbeit in den letzten 20 Jahren.
Danach gab er den Besuchern in einem bewegenden Diavortrag Einblicke in das Leben der Menschen in Bangladesch. Er betonte, dass diese Menschen sich in Nichts von uns unterscheiden, nur, dass wir im Überfluss leben und in Bangladesch Millionen Menschen hungern. Dabei gebe es weltweit ausreichend Nahrungsmittel und auch andere Ressourcen für alle 7,5 Milliarden Menschen auf der Welt. Diesen Zustand bezeichnete Dietzel als unerträglich und ungerecht.
Er zeigte an Hand der Projekte in den letzten 20 Jahren wie NETZ in Bangladesch mit maßgeblicher Unterstützung der Kirchengemeinde Hl. Kreuz vielen Menschen in Bangladesch zu einem Leben ohne übergroße Not und in Würde verholfen hat. Gefragt, was sich in ihrem Leben geändert hat, antworteten diese: „Jetzt bin ich Mensch“.
Als eine wesentliche Ursache für das Elend vieler Menschen in Bangladesch benennt Dietzel die fehlende oder schlechte Schulbildung. Hier setzt das NETZ-Programm „Weltklasse“ an, das seit Jahren von der Kirchengemeinde unterstützt wird. Mit den einzelnen Schulen stehen Schulklassen, Sternsingergruppen und Privatpersonen aus der Kirchengemeinde in Briefkontakt. Mehr über die Projekte: Im Projekt „Ein Leben lang genug Reis“ bildet NETZ in meist abgelegenen Dörfern des Nordens Frauengruppen aus den ärmsten Familien, die weniger als 20 ct am Tag zum Leben haben. Sie erhalten ein Startkapital in Form von z.B. einer Kuh, zweier Ziegen oder einiger Hühner. Unter Anleitung einer örtlichen Nichtregierungsorganisation lernen sie, ihren Lebensunterhalt zu erarbeiten. Nach 3 Jahren können sie für sich selbst und ihre Familie sorgen. Als eine wesentliche Ursache für das Elend vieler Menschen in Bangladesch benennt Peter Dietzel  die fehlende oder schlechte Schulbildung. So gehen in Bangladesch trotz gesetzlicher Schulpflicht 5 Millionen Kindern nicht zur Schule, weil sie in einer Region leben, wo es keine Schule gibt oder die nächste Schule viel zu weit entfernt ist. Außerdem ist der Zustand vieler staatlicher Schulen unzureichend: 100 Kinder in einem Klassenzimmer, gar nicht oder schlecht ausgebildete  Lehrer, die oft auch nur sehr unregelmäßig ihrer Unterrichtverpflichtung nachkommen. Hier setzt das NETZ-Programm Weltklasse an: In abgelegenen Gebieten, wie auf den zahlreichen Schwemmlandinseln in den großen Flüssen werden einfache Hütten errichtet. Dünne Matten auf dem Boden, eine alte Wandtafel verschiedene Schaubilder bilden das ganze Mobiliar. Bis zu 30 Kinder aus dem Dorf, zwischen 6 und 12 Jahre alt, mindestens zur Hälfte Mädchen bilden eine Klasse. Sie lernen zusammen in vier Jahren den Stoff der fünfjährigen staatlichen Grundschule. Dann legen sie an einer dieser Schulen ihre Abschlussprüfung ab. Wegen des großen Fleißes der Kinder, des enormen Engagement der Lehrer, die regelmäßig in modernen Lern- und Unterrichtsformen fortgebildet werden erreichen die meisten Kinder gute und sehr gute Abschlüsse. 70 % gehen auf weiterführende Schulen, das ist für Bangladesch ein sehr hoher Anteil. Nach Möglichkeit wird diesen Klassen eine Partnerklasse an einer deutschen Schule vermittelt. So können sie etwas vom Leben deutscher Kinder, und diese etwas von Bangladesch lernen. Die Partnerschule unserer Gemeinde, die Matia Das Anadoluk Schule hat ein festes Gebäude mit 3 Klassenzimmern und Nebenraum. 3 Lehrkräfte unterrichten im Schichtbetrieb eine Vorklasse und die Klassen 1 bis 5. Dann geht’s zur Prüfung. Auch hier hat jede Klasse eine Partnerklasse, bei uns sind es zum Teil Sternsingergruppen. Träger dieser Schulen ist eine Art Schulträgerverein des Dorfes, Unterstützung gibt es für die Schüler, deren Eltern keinen ausreichenden Beitrag leisten können.
In einer sich anschließenden Diskussion konnte Peter Dietzel bestehende Zweifel bezüglich der Nachhaltigkeit und der zuverlässigen Mittelverwendung aus dem Weg räumen.
Als Überraschung des Tages führte der Bangla-German-Verein aus Königsbach-Stein zu bengalischer Musik Tänze in bengalischer Tracht auf, was mit einem riesigen Applaus belohnt wurde.
Zum Ausklang des Tages gab es noch Kaffee, Hefekranz und Waffeln, sowie einen Film über „Kerze, Kreide, Kuh – Schreib mir, wie lernst du?“ von Ulf Krüger. Dieser zeigte in eindrucksvollen Bildern die praktische Umsetzung  des Projekts „Weltklasse“.
Parallel zum Programm bastelten die Kinder unter der Anleitung ihrer Erzieherinnen und der früheren NETZ-Freiwilligen Anna…? Lotusblüten. Darauf schrieben sie Wünsche für die Kinder in der in der der Matia Anadoluk Schule. Diese klebten sie auf eine lange Papierbahn, die Peter Dietzel gleich auf seine ansstehende Reise nach Bangladesch mitnehmen konnte.
So schlug auch dieser Tag wieder eine Brücke zu den Menschen in Bangladesch.

 

Bangladeschkreis aktuell

 

Ansprechperson:
Johannes Ulrich Böhm

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